Ahoi zusammen,
irgendwann geht alles vorbei, auch der Aufenthalt an einem Sehnsuchtsort. Deshalb gibt es heute noch einmal mehrere Tage im Logbuch, bevor wir wieder Richtung Heimat aufbrechen. Mit diesem Beitrag haben wir auch wieder die "magsiche Grenze" von 30 Tagen gebrochen. Wir sind wieder seit einem Monat unterwegs...
Schon viel zu lange her: Freitag
Freitag war der letzte Tag Homeoffice in dieser Woche. Für Leon war es entspannt, er zockte online mit Freunden – selbst bis raus ins Vereinigte Königreich. Das ist dann wohl Globalisierung und Digitalisierung in ihrer angenehmsten Form.
Gegen Mittag merkte man dann deutlich, wie immer mehr Fahrzeuge auf den Platz rollten. Teilweise mit, teilweise ohne Reservierung kamen sie nach und nach an. Aus vier oder fünf Fahrzeugen wurden schnell gute 20. Darunter war auch ein deutscher VW-Bus aus den frühen 90ern aus Bremen. Allein das Geräusch löst schon Gänsehaut aus, auch wenn ich in so einem Wagen wohl nie über lange Strecken wohnen würde, schon gar nicht zu viert. Wir sind dann an den Strand gegangen und haben im Wasser gerauft und jede Menge Blödsinn gemacht. 22 bis 24 Grad Wasser bei 28 Grad Lufttemperatur sind einfach eine Traumkombination.
Gegen Abend haben wir dann gekocht. Im Omnia-Backofen gab es einen One-Pot mit Nudeln, passierten Tomaten, vorher angebratenen Speckwürfeln, Wurststückchen, Gewürzen und oben drauf Käse. Leon hat es geschmeckt, und wir haben die vier Portionen zu zweit vernichtet. In Ruhe zu kochen ist schön, aber draußen an der frischen Luft zu kochen, den Grill einfach als Herd zu nutzen und den Omnia daraufzustellen, ist noch einmal eine eigene Liga.
Vorgestern: Samstag
Wie geplant sollte Samstag unser einziger Tag in Wales ohne Strand werden. Wir wollten die angereisten Massen meiden und dem Verkehr im wahrsten Sinne des Wortes entgegen schwimmen. Also setzten wir uns auf die Räder und traten in die Pedale.
Erstes Ziel war das Fort an der Felsklippe. Leider geschlossen, wobei die Öffnungszeiten vorher auch nicht im Internet zu finden waren. Danach ging es weiter nach Pembroke an den Hafen. Dort legen die großen Fähren nach Irland ab. Vielleicht auch mal ein Ziel für die Zukunft.
Anschließend fuhren wir zum Supermarkt und holten uns etwas zu essen. Meal and Deal ist in UK ziemlich verbreitet: ein Hauptgericht, etwa Sandwich, Wrap oder Salat, dazu ein Snack und ein halber Liter Getränk für umgerechnet 5 bis 6 Euro. Das macht satt und ist verhältnismäßig günstig. Genutzt wird das oft von Arbeitern, aber offenbar nicht nur von ihnen. Darunter auch die Polizei. Wir saßen auf dem Parkplatz und sahen die Streife anfahren und in den Markt gehen. Als sie wieder herauskamen, hatte jeder ein Meal and Deal in der Hand. In genau dem Moment sprach mich eine ältere Dame an und bat um Unterstützung. Sie kam bei den öffentlichen Toiletten nicht durch das Drehkreuz, obwohl sie bereits Münzen eingeworfen hatte. Ich bezahlte die 40 Pence dann mit Karte, das funktionierte. Die Dame war überglücklich. Beeindruckend war auch: Die Polizei hatte den Motor bereits an, fuhr aber erst los, als die Situation geklärt war, und beobachtete das Ganze aus der Ferne.
Die Burg auf dem Heimweg ließen wir aus, weil die Strecke doch recht weit war und es zunehmend windiger und kühler wurde. Aber man muss ja auch Ziele für die Zukunft haben, vielleicht dann in Kombination mit der Fähre nach Irland. Insgesamt sind wir 52 Kilometer Rad gefahren, weshalb wir danach nicht mehr viel gemacht haben außer Burger grillen, Tischtennis spielen und Police Academy 7 schauen.
Gestern: Sonntag
Gestern, am Sonntag, war der letzte volle Urlaubstag. Wir schliefen aus, und wie angekündigt war es leider sehr windig. Trotzdem ging es an den Strand. Das Wasser war mit rund 24 Grad sehr warm, die Luft mit 26 Grad ebenfalls angenehm, aber wegen des Windes war Baden kaum möglich. Dazu kamen viele Quallen, teils auch giftige, die angespült wurden.
Also nutzten wir die Zeit zuerst für den Heuler, danke Olli. Dieser Ball hat vermutlich schon so viele Kilometer durch die Luft gemacht, dass er rechnerisch längst wieder in Griesheim angekommen sein müsste. Die meiste Zeit verbrachten wir aber mit dem Bau einer Sandburg. Mit genug Zeit entsteht daraus tatsächlich etwas Beeindruckendes. Kurz vor Schluss war sogar ein Zufluss gebaut, und als das Meer näher kam, füllte sich der Burggraben von selbst. Leon wollte dann aber nicht zusehen, wie das Meer die Burg einebnet. Also sind wir Eis essen gegangen.
Anschließend gab es die tägliche Partie Tischtennis. Drei Gewinnsätze, und diesmal kam Leon richtig nah ran, verlor aber 2:3 nach Sätzen. Heute war dann sein Tag: knapp, aber verdient gewann er das Match mit 3:1. Herzlichen Glückwunsch, Krümelchen!
Danach grillten wir Würstchen. Ich liebe die weichen britischen Würstchen, Leon hingegen meinte nur, sie machen satt. Der Abend endete mit der achten und letzten Folge von Police Academy. Damit haben wir die Filmreihe im Urlaub komplett durchgeschaut.
Heute: Montag
Heute war dann der Abschied dran. Wir stellten uns den Wecker und machten die letzten Dinge abfahrbereit: Keile rein, Abwasser raus, Stromkabel eingerollt und den Grill verräumt. Bevor es losging, waren wir noch ein letztes Mal am Strand. Noch einmal der Blick über die Dünen und hinaus aufs Meer, ein natürlicher und nicht künstlich gestalteter Ausblick, wie ich ihn bisher nirgendwo sonst hatte. Danach ging es noch einmal zu Dobby, wo wir zwei alte Socken mit einem Stein ablegten, und auf dem Rückweg gab es noch ein letztes Eis: Softice in einer Waffel mit Streuseln.
Dann brachen wir auf, und der Verkehr lief einwandfrei. Es gab zwei Staus, einmal wegen eines Müllfahrzeugs, das auf der Autobahn brannte und gelöscht werden musste, und einmal wegen eines Unfalls. Insgesamt kostete uns das etwa 50 Minuten. An der Autobahntankstelle haben wir dann einen netten Herrn an der Kasse gehabt - ich schätze mal, er wird so um die 23-25 Jahre alt gewesen sein - der uns freundlich abkassiert und dann gefragt hat, ob das "D" auf unserem Kennzeichen für Germany steht. Als ich das bejat habe, ist er direkt auf das deutsche gewechselt. Er hat Deutsch als Femdsprache in der Schule gehabt, war für einen Schüleraustausch in Deutschland, dabei auch drei Tage in Berlin und das Land hat ihn so fasziniert, das er nun Germanistik studiert und unbedingt mal nach Frankfurt möchte. Auf meine Frage, was ihm an Deutschland so gefällt, erklärte er mir, das in Deutschland alles so strukturiert und geordnet ist, das es eine Mischung aus Alt und Neu ist, das Deutschland so verschieden ist, je nach dem ob man sich im Süden oder im Norden befindet und das Deutschland so "mächtig und imposant" ist... Ich wünschte, mancher Deutscher würde das so sehen...
Ansonsten kamen wir gut durch, und statt wie auf dem Hinweg nur zwei Drittel der Strecke zu fahren und den Rest morgen, sind wir diesmal quasi komplett durchgefahren. Wir sind jetzt 30 Minuten vor der Fähre und können morgen den Tag für etwas Homeoffice und Chillen nutzen, in Ruhe im Tesco einkaufen und dann zur Fähre fahren. Ablegen soll sie planmäßig um 23:00 Uhr Ortszeit, also eine Stunde zurück.
Bevor wir jedoch zu Abend gegessen und „Unternehmen Petticoat, das rosa rote U-Boot“ geschaut haben, gingen wir duschen. Es gab nur zwei Duschen, und Leon hatte sich gerade eingeschäumt, als seine Dusche versiegte. Er kam also schnell zu mir rüber und nutzte meine. Beim Abtrocknen stellte er dann fest, dass er nun auch wusste, warum seine Dusche ausgegangen war. Ich hatte mittags Zwiebelringe gegessen, und die daraus resultierenden Gase hatten der armen Wasserpumpe offenbar den Rest gegeben. Tja, was soll man dazu noch sagen.
Morgen sind wir dann auf der Fähre nach Hoeck van Holland (Rotterdam), von wo aus es direkt nach Norddeich geht. Einen Film für die Fähre haben wir nicht und Leon würde sich über Tipps und Filmempfehlungen freuen. Im Schwebt was vor, mit dem Klamau Kumor der Olsenbande oder Policy Acadamy.
Da wir uns morgen von Großbritannien, den beeindruckenden und schönen Landschaften, der oftmals sich selbst überlassenen Natur und den unglaublich charmanten und symapthischen Menschen, erstmal verabschieden müssen, nutze ich folgende Worte, um den heutigen Beitrag zu schließen:
„Jede Reise hat ihren letzten Strand, aber der Kurs, den sie in uns hinterlässt, bleibt noch lange bestehen.“