Adrenalin und Geschichte an Ostsee und Atlantik - 2026: Tag 18-21 (DE: Hohwacht)

Ahoi zusammen,

never change a running system! Ein alter Satz aus der IT, der sich leider viel zu oft bewahrheitet. In diesem Sinne gibt es aber auch heute wieder mehrere Tage zusammengefasst im Logbuch.

Montag: Minigolf, Burg und Fisch

Am Montagvormittag haben die Kids Minigolf gespielt. Von einem der ersten Tage hatten wir als Siebenergruppe eine 10er-Karte gekauft und es waren noch drei Spiele übrig. Während die Kinder also ihr Handicap verbesserten, habe ich mich aufs Rad geschwungen und noch ein paar Kilometer gesammelt.

Mein Ziel war die Turmhügelburg. Dort war deutlich mehr los, als ich erwartet hatte. Der Eintritt läuft auf Spendenbasis, drei Euro in den Briefkasten am Eingang. Eine klassische Führung gibt es nur einmal täglich, dienstags und sonntags. Alternativ kann man mit einer App auf dem eigenen Smartphone und den eigenen Kopfhörern durchs Gelände gehen. Eine tolle Idee, weil die Erklärungen mit zusätzlichen Bildern ergänzt werden und man sich alles in seinem eigenen Tempo anschauen kann. Gleiches Prinzip wie vor zwei Wochen auf der Cap San Diego in Hamburg. Ich finde das super und vor allem für Vereine eine gute Möglichkeit, hochwertige Touren anzubieten, ohne noch mehr (der meistens ohnehin zu wenigen) Ehrenamtliche zu binden.

Anschließend gab es ein leckeres Fischbrötchen beim Fischgourmet in Alt-Hohwacht. Ja, der Name klingt etwas pathetisch, trifft hier aber voll zu. Dick belegte Fischbrötchen mit Fisch aus der Ostsee, von Makrele bis Scholle und statt nur dem obligatorischen Salatblatt gibt es Karotten, Paprika oder auch mal Tomate oben drauf und das zu wirklich fairen Preisen.

Abends haben wir dann gegrillt und den Tag bei Tom’s Hütte am Strand ausklingen lassen. Ein Kaltgetränk in der Hand, die Ostsee vor der Nase – so fühlt sich Urlaub im Heimathafen auf Zeit an.

Dienstag: U 995, Ehrenmal und Gänsehaut

Dienstag sind wir alle zusammen nach Laboe gefahren: Marine-Ehrenmal und U 995, das als Vorlage für U 96 aus dem Film „Das Boot“ diente. Eines der letzten erhaltenen U-Boote vom Typ VII C, dem meistgebauten U-Boot-Typ der deutschen Kriegsmarine.

An der Kasse hieß es: „Erst ins Boot, da ist gerade wenig los.“ „Wenig los“ bedeutete trotzdem, dass sich eine Schlange von Menschen durch das Boot schob. Es war voll, eng und heiß, sodass Chrissy nicht durchging, sondern direkt wieder raus ist. Wenn man sich vorstellt, dass ungefähr so viele Menschen wie wir an Bord waren wie früher im Einsatz, wir aber frisch geduscht waren und daher nicht ausdünsteten wie anch tagelanger schwerstarbeit, ausreichend geschlafen hatten, durch die offenen Türen frische Luft ins Boot kam, die Diesel nicht liefen und keine Hitze oder Abgase erzeugten, wir weder abgetaucht waren noch beschossen wurden – dann bekommt man einen Haus von Ahnung davon, unter welchen Umständen die Besatzungen damals gefahren sind und wie grauenvoll viele von ihnen gestorben sind. Die Zahlen sprechen leider für sich: 1162 U-Boote wurden gebaut, 863 in Dienst gestellt und in den Einsatz geschickt. 784 davon gingen verloren. Über 30.000 der mehr als 40.000 U-Boot-Fahrer starben und rissen 2882 Handelsschiffe und 175 Kriegsschiffe mit sich in die Tiefe, mit ebenfalls über 30.000 Toten an Bord. Ein dunkles Kapitel, das man in diesem Stahlkörper sehr intensiv spürt.

Nach dem Verlassen des Bootes ging es hinüber zum Marine-Ehrenmal. Ein Aufzug bringt einen 68 Meter in die Höhe, den Rest kann man zu Fuß über Treppen erklimmen. Die Kids entschieden sich dafür, die komplette Treppe zu nehmen und den Turm sportlich zu bezwingen. Oben, in etwa 85 Metern Höhe, wäre die Aussicht normalerweise beeindruckend, heute jedoch hingen die Wolken tief, Sicht kaum 100 Meter, gerade so bis zum U-Boot und zum Strand.

Nach einem zeitlich und streckenmäßigem kurzen Rundumblick war der nächste Treffpunkt wieder nur knapp über der Meereshöhe, denn dan ging es durch die unterirdische Gedenkstätte. Stille, Hall, Kränze und Inschriften - erneut ein Gänsehautmoment. Erinnerungen an Schiffe aus dem zweiten Weltkrieg, wie beispielweise Bismarck oder Gneisenau, aber auch an deutlich jüngere Ereignisse und kürzlich verstorbene Angehörige der Marine.
Besonders interessant für uns: eine Kranzniederlegung und Inschrift zum Schlachtschiff Scharnhorst. Letztes Jahr waren Leon und ich auf der HMS Belfast, die die Scharnhorst einst versenkt hat und bei unserer Nordkap-Tour standen wir quasi Untergangspunkt der Scharnhorst (Beitrag vom Nordkapp). Leon konnte die Brücke schlagen und die Ereignisse und ihre Beteiligten richtig einordnen. Geschichte zum Anfassen, über mehrere Reisen hinweg.

In der Halle am Ende gab es Schiffsmodelle, von historischen Dampfern bis zu modernen Einheiten. Leon und ich stellten ein wenig überspitzt fest, dass unsere – irgendwann ferngesteuerte – 3D-gedruckte Bismarck größer ausfallen könnte als manch Modell hier. Einige der Modelle waren allerdings mehrere Meter lang, beeindruckend detailliert und eigentlich selbst kleine Kunstwerke.

Geplant war anschließend eine Bootstour. Die fiel dann aber leider aus, weil es zeitlich mit dem Parkschein zu knapp geworden wäre. Außerdem war nur noch eine Rundfahrt mit der Fähre möglich, die Adlerschiffe hatten wir bereits verpasst. Also ab zurück Richtung Hohwacht und noch einmal bei Tom’s Hütte am Strand etwas getrunken. Man fragt sich unweigerlich: Warum haben wir in Darmstadt keinen Strand mit Pavillon, an dem man so schön den Abend ausklingen lassen kann? Gut, vermutlich liegt es am fehlenden Gewässer – obwohl es ja selbst in Frankfurt am Main Strandbars gibt.

Bevor wir aber nach Hohwacht sind, haben wir noch einen kurzen Abstecher nach Kiel gemacht. Im Hafen lag die MS Deutschland. Dsa Schiff kennt der ein oder andere aus der Serie "das Traumschiff" und als alter traumschiff Fan wollte mir die Gelegenheit, wenn sie schonmal in der nähe ist, nicht nehmen lassen um sie "aus der Nähe" zu sehen.
 

Mittwoch – Kiel, große Pötte und Erinnerungen

Mittwoch gab es kein gemeinsames Frühstück. Nina, Domi, Olli, Chrissy und ich sind nach Kiel gefahren. Frühstück dort, geparkt im Parkhaus des Casinos, direkt gegenüber des Skandinavienkais.

Etwas wehmütig waren wir schon, als wir die anderen Wohnmobile in den Warteschlangen stehen sahen, bereit um in den Bauch der Stena Germanica zu fahren. Vor ziemlich genau vier Jahren stand das Dickerchen in einer dieser Reihen und wir sind mit genau diesem Schiff zu unserer Nordkap-Tour aufgebrochen. Landschaftlich und geschichtlich für mich bisher die beeindruckendste Reise.

Nach dem Frühstück haben wir eine Hafenrundfahrt gemacht. Endlich wieder Schiffe gucken und zwar die ganz großen. Neben der bereits erwähnten Stena Germanica haben wir eine große Kreuzfahrtfähre der Color Line Richtung Norwegen gesehen, ein Minenjagdboot der Marine "folgte uns", viele alte und neue Versorgungsschiffe der Marine im Hafen, bei TKMS ein neues U-Boot im Trockendock und eines im Becken, die Einfahrt zum Nord-Ostsee-Kanal und eine Entmagnetisierungsanlage der Marine. Für Schiff- und Technikfans ein kleines Paradies.

Der Rückweg verlief dann getrennt. Wir sind noch einmal nach Sütel gefahren, Familie besuchen, während Olli, Nina und Domi shoppen waren und anschließend an den Strand gegangen sind. Abends haben wir dann alle wieder gemeinsam Pizza gebacken, ein schöner Abschluss für einen Tag voller großer Pötte und kleiner Erinnerungen.


Donnerstag: Letzte Strandwache und neue Horizonte

Der Donnerstag begann mit Regen und Kälte. Die Vermutung liegt nahe, dass der Urlaub so endet, wie er begonnen hat. Da es ab etwa 12 Uhr aber aufklaren sollte, sind Nina und Chrissy erst einmal einkaufen gegangen, um den Kühlschrank für die letzten beiden Tage und vor allem für das Grillen heute Abend noch einmal zu füllen.

Als die Wolken sich verzogen haben, sind wir alle noch einmal an den Strand gegangen , vermutlich die letzte Chance, hier an der Ostsee noch zu baden und zu liegen. Ein vorletzter Tag an diesem Heimathafen, bevor sich die Wege trennen.

Morgen soll es nämlich wieder regnen. Der richtige Zeitpunkt, um zu packen. Leon und ich gehen einkaufen, denn unsere Reise ist noch nicht zu Ende. Wir stechen noch einmal in See und fahren im wahrsten Sinne des Wortes über den Horizont – nach Großbritannien. Es warten der Atlantik, seine Strände und das Grün der walisischen Küste. Während der eine Teil der Crew das Schiff an den heimischen Kai zurückbringt, setzen wir Kurs auf die nächste Etappe.

Zum Abschluss dieses „Mehrteilers“ zwischen Ostseeflaute, Geschichte und neuem Aufbruch verabschiede ich mich heute mit einem "Zitat", das genau dazu passt:

„Manchmal endet ein Törn nicht im Heimathafen, sondern an der Kante des Horizonts – dort, wo eine Reise zu Ende geht und die nächste schon beginnt.“

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