Adrenalin und Geschichte an Ostsee und Atlantik - 2026: Tag 08 (DE: Hohwacht/Lübeck)

Ahoi zusammen,

heute ging es nach dem Frühstück weiter auf Erkundungskurs. Zielhafen: Lübeck, eine weitere Stadt mit H für Hanse auf dem Kennzeichen und damit irgendwie auch für historisch. Die Altstadt gilt seit 1987 als UNESCO-Welterbe und ist eines der bedeutendsten Zeugnisse der Backsteingotik im Ostseeraum.

Bekannt ist Lübeck für das Holstentor, Lübecker Marzipan, alte Backsteingebäude, die teilweise noch aus dem Mittelalter erhalten sind, und gleich sechs große Kirchen mit insgesamt sieben Türmen, die seit Jahrhunderten die Stadtsilhouette prägen. Die Marienkirche (evangelisch) ist derzeit mehr oder weniger Baustelle, aber sehr imposant und die 5 Euro Eintritt lohnen sich. Sie gilt als Mutterkirche der Backsteingotik und nach ihrem Vorbild wurden im gesamten Ostseeraum rund 70 Kirchen errichtet. Ihre Gewölbe im Mittelschiff gehören mit etwa 38,5 Metern zu den höchsten backsteingotischen Gewölben weltweit. Derzeit sind viele Bodenelemente auf Grund von Bauarbeiten freigelegt, sodass man sehen kann, wie die Bodengräber ohne Leichen von innen aussehen und wie die „Kirche unter der Kirche“ aussieht, denn über die Jahrhunderte wurde immer wieder abgetragen und darüber neu gebaut.

Lübecker Marzipan ist als geschützte geografische Angabe in der EU anerkannt und darf nur so heißen, wenn es in Lübeck oder den Nachbargemeinden Bad Schwartau und Stockelsdorf produziert wird. Die Hersteller haben sich verpflichtet, mindestens 70 Prozent Marzipanrohmasse und höchstens 30 Prozent Zucker zu verwenden – das sorgt für den typischen intensiven Mandelgeschmack. Marzipan wird in Lübeck seit mindestens 1530 in Zunftrollen erwähnt, den Ruf als „Marzipanstadt“ erlangte die Stadt aber erst im 19. Jahrhundert, als Firmen wie Niederegger begannen, die Spezialität weltweit zu exportieren.

Später sind wir dann in See gestochen, wenn auch auf sehr ruhigem Wasser: Eine unterhaltsame, einstündige Tour mit dem Boot über den Binnenhafen und den Elbe-Lübeck-Kanal. Der Kanal ist eine etwa 61 Kilometer lange, künstliche Bundeswasserstraße, die seit 1900 die Elbe bei Lauenburg mit der Trave in Lübeck und damit mit der Ostsee verbindet. Über sieben Schleusen werden die Höhenunterschiede zwischen Elbe und Ostsee ausgeglichen /wenn ich das richtig in Erinnerung habe, werden so ca 12m Höhenunterschied ausgeglichen) und jährlich passieren rund 2.500 Güterschiffe mit über einer Million Ladungstonnen sowie etwa 5.000 Sportboote diese Wasserstraße. Ein ziemlich lebendiger Verkehrsweg, wenn man auf einem Ausflugsboot mittendrin sitzt.

Lübeck ist toll und es hätte noch so viel mehr zu sehen gegeben, aber irgendwann war es dann doch spät und wir traten den Heimweg an. Auf dem Rückweg haben wir noch im Werksverkauf der Schwartau Werke angelegt. Marmeladen, die bei uns im Supermarkt etwa 3 Euro kosten, lagen hier um die 1,50 Euro, mal etwas mehr, mal etwas weniger. Tiefergelegt ist der Mazda nicht, aber nach dieser Beladung sollten wir besser nicht mehr an allzu vielen Werksverkäufen vorbeikommen, um nicht auf Grund zu laufen. Wobei – Bahlsen hat hier in der Nähe wohl auch noch einen Werksverkauf,  vielleicht sollte man die Straßen schonmal ausbaggern...

Apropos Straßen, auf dem weiteren Rückweg wurde die Fahrt dann zäh oder besser gesagt: pädagogisch wertvoll...
Bis zu welchem Alter sollte man Auto fahren (dürfen)? Die Frage lässt sich nicht verallgemeinern, das haben wir heute erlebt. Auf einer Landstraße, erlaubt waren 100 km/h, fuhr eine Dame, um die 50 Jahre, mit ihrem roten Nissan Micra mit konstant 60 km/h vor uns her. Kam eine Ortschaft, bremste sie nicht auf 50 km/h, sondern auf 40 herunter. Etwas Puffer nach oben schadet scheinbar nie. Aufgrund der kurvenreichen Strecke war aber ein Überholen kaum möglich, aber so manch einer, vor allem Motorradfahrer, hätte sich da vermutlich zu waghalsigen Manövern hinreißen lassen. Wir blieben lieber in sicherem Abstand achteraus (oder haben es jedenfalls versucht) und nahmen es als unfreiwilligen Test für unsere Geduld.

Nun haben alle zu Abend gegesse und ich bin der letzte, der noch wach ist. Aber auch ich gehe jetzt duschen und lösche dann das Licht. In diesem Sinne verabschiede ich mich heute mit einem Zitat, das ganz gut zu Bootstour, Kanalfahrt und der Lübecker Silhouette aus Türmen und historischem Stein passt:

„Zwischen alten Türmen und neuen Wellen entdeckt man, wie weit man schon gesegelt ist – und wie viele Häfen noch vor einem liegen.“

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