Adrenalin und Geschichte an Ostsee und Atlantik - 2026: Tag 01 (DE: Hamburg)

Alles hat einmal ein Ende, und manchmal beginnt der Tag genau damit. Heute war es soweit: Für Leon ging das vierte Schuljahr zu Ende, und seine Verabschiedung stand an. Es war eine schöne Veranstaltung. Der kleine Schulhof vor dem Schulgelände war dekoriert und bestuhlt, eine Bühne war aufgebaut. So schnell vergeht die Zeit, gefühlt hatten wir erst vor zwei Jahren seine Verabschiedung aus dem Kindergarten. Doch wie es sich für uns gehört, lag unser „Schiff“ bereits startklar im Heimathafen. Genau wie damals stand das Wohnmobil gepackt im Hof und lichtete kurz darauf den Anker gen Norden. Erstes Ziel auf dieser Reise: die Freie und Hansestadt Hamburg.

Und wie sollte es anders sein, direkt hinter Frankfurt sichteten wir die ersten Warnblinker. Zu unserer Beruhigung jedoch kein Stau, sondern nur ein Schwertransport. Die erste echte Flaute ließ dann doch nicht lange auf sich warten. Alles lief prima, doch uns plagte der Hunger. Also ab in Richtung Hafen und Kurs auf die Burgerbraterei genommen. Als wir dann, mit Proviant versorgt, wieder auf die offene See wollten, war diese – korrekt: voll! Stau, der vor fünf Minuten noch nicht da war. Sowas braucht niemand und kostete uns gute 20 Minuten.
Die nächste zähe Passage erwartete uns erst wieder kurz vor Hamburg und kostete uns weitere knappe 30 Minuten. Alles in allem verlief die Fahrt jedoch ruhig, und gegen 17:30 liefen wir schließlich unseren Liegeplatz im (Wohnmobil-)Hafen an. Sehr zu unserer Freude gibt es diesen Wohnmobilhafen in Hamburg noch. Eigentlich optimal gelegen: Mit dem Fahrrad ist man in zehn Minuten in der Speicherstadt und an den Landungsbrücken, der Platz ist eben und die Sanitäranlagen ausreichend. Im Winter liegen hier die ungenutzten Red Buses vor Anker, zu denen dieser Wohnmobilhafen gehört. Leider gehört das Grundstück nicht ihnen und der Eigentümer plant spätestens 2028 hier einen Bürokomplex mit darüberliegenden Wohnungen.

Nach der langen Fahrt im klimatisierten Inneren unseres „Schiffs“, mussten wir uns mit der Hitze in Hamburg aklimatisieren. Nachdem wir uns etwas ausgeruht hatten, schnappten wir Beiboote mit eMotor und zwei Rädern und nahmen Kurs auf die Landungsbrücken. Bereits aus der Ferne sieht man den Michel, später die Elbphilharmonie und spätestens, wenn ich die Stufen zur Jan-Fedder-Promenade hinaufgehe und der Blick Richtung Docks und Landungsbrücken frei wird, schleicht sich dieses Gefühl in mir ein, das bestimmt jeder irgendwo fühlt: nach Hause kommen...!
Der Lütte und ich schlenderten die Promenade entlang zur Brücke 10, für uns ein fester Anlaufpunkt, wenn wir in Hamburg sind. Frische Fischbrötchen und ein kaltes Getränk, der Blick auf die Elbe, der Tag war perfekt. Leon brachte es zwischen zwei Bissen seines Lachsbrötchens, mit einem Strahlen im Gesicht, auf den Punkt: „Heute Morgen bin ich noch zur Schule gegangen, und jetzt sitze ich am Wasser und esse Fischbrötchen.“

Als es dann dunkel wurde und die Luft langsam abkühlte, kehrten wir zurück zum Dickerchen. Einmal Schweiß und Staub abduschen und anschließend in die Koje. Morgen erwartet uns das erste Abenteuer: Wir sind mal wieder zu Gast im Miniatur Wunderland. Bis dahin wünsche ich euch eine gute Nacht und verabschiede mich mit einem Zitat aus der Seefahrt, dass sowohl für den Schulwechsel, als auch für die Reisen im Camper Gültigkeit besitzt:
Nur wer die Küste hinter sich lässt, entdeckt neue Horizonte.

 

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